Humanity’s First Exam1850–1940 ⇄ now

1913 · German · Germany

Zur Mechanik des Geistes

Walther Rathenau

3 selected passages and classifications

Passage 1

Die Maschine erwuchs, ihr Arbeitsgenosse wurde zum Pfleger und Aufseher, und die Mechanisierungspraxis selbst, freilich nicht aus Menschlichkeit, sondern aus ökonomischem Instinkt, betrachtet heute den Betrieb als unvollkommen, der geistlose Arbeit fordert. Den Ausfall an Muskelleistung muß die zweite Natur der freiwilligen Körperübung bekämpfen; Jugendausbildung und reichliche Mußezeit sind bestimmt, dem Geiste Spannkraft und Verantwortungsfähigkeit zu erwerben und zu erhalten. In dieser Richtung sehen wir die Wirtschaftstendenzen in mechanistisch vorgeschrittenen Ländern sich bewegen; eine Rückkehr zum patriarchalischen und sklavischen Verhältnis findet nirgends statt; eine spätere Periode aber wird die Forderung wachsender Vergeistigung und Verantwortung der Arbeit zum sittlichen Prinzip erheben und lieber auf Arbeitsgüter verzichten, als sie aus den Händen menschlicher Maschinen empfangen.

Working English translation

The machine emerged and became its fellow worker, caretaker, and overseer; and mechanization itself, prompted not by humanity but by economic instinct, now regards as imperfect an enterprise that demands mindless labour. The loss of muscular exertion must be countered by the second nature of voluntary physical exercise; education for the young and abundant leisure are intended to acquire and preserve strength of mind and capacity for responsibility. In this direction we see economic tendencies moving in technologically advanced countries; nowhere is there a return to patriarchal and slave-like relations; but a later period will elevate the demand for the increasing spiritualization and responsibility of work into a moral principle, and would rather forgo products of labour than receive them from the hands of human machines.

Rathenau presents mechanization as transforming the machine into a worker, caretaker, and overseer while reducing the need for bodily labour. He argues that exercise, education, leisure, and increasingly responsible work can preserve human strength of mind and responsibility. The passage favors refusing goods produced by dehumanized ‘human machines,’ but treats mechanization’s effects as potentially redeemable through human development rather than simply rejecting all machinery.

Local word range 71356–71780 · source wording still to be checked

Passage 2

Denn da der Mensch sein Gleichgewicht aus der Gegenwart in die Zukunft, aus seinem Inneren in die Welt gerückt hat, so bedarf er in höchstem Maße der Welt, der Menschen und der Dinge; der Welt, um zu scheinen; der Menschen, um zu herrschen und zu gelten; der Dinge, um zu besitzen. Indem er nun scheinen und herrschen will, wird er in Wahrheit abhängig; er ist angewiesen auf Meinung und Zustimmung, und da es seiner Natur nicht entspricht, sie zu erzwingen, so muß er sie erschleichen und erlisten. Weil er der Dinge bedarf, wird sein Handeln abermals unfrei, denn er sieht sich an Verhältnisse, willkürliche Gesetze und unfreiwillige Arbeit gekettet.

Rathenau locates unfreedom in acquisitive, status-seeking dependence on institutions and things, rather than in autonomous machines.

Erstes Buch, p. 31

Passage 3

Enttäuscht steigt der Erdenbürger in die Vielfältigkeit des Lebens hinab; und wirklich, die Fülle der Erscheinungen überwältigt ihn nicht. Heroen werden zu Menschen, Paradiese zu Mechanismen, und erstaunlich bleibt nur die Menge des Gewußten, der enthüllten Gesetze, der gelösten Rätsel. Von den Erfahrungen der Jahrtausende nimmt er sein Erbe in Anspruch und denkt es zu mehren, und je unermeßlicher der Reichtum in seinen Händen, desto ärmer die Welt.

The critique is epistemic and spiritual: accumulated knowledge and solved problems can convert lived ideals into inert mechanisms without yielding a richer world.

Erstes Buch, p. 34

Text

80,391 words

Loading text…